Offizielles Organ des Schweizerischen
Chemie- und Pharmaberufe Verbandes

Spannende Abfälle in Wasser, Land und Luft

Organisator Dieter Zaugg: «Die Sonderabfallwirtschaft trägt ihren Teil dazu bei, Sicherheit für Mensch und Umwelt in einer unsicheren Welt zu gewährleisten.»

Unter Wasser fanden schweizerische Abfalltaucher im vergangenen Jahr rund 35 Tonnen Abfall, unter anderem Batterien, Elektrogeräte und Munition. Zu Lande registrierte man, wie fast schon gewohnt, mehrere Ereignisse erhöhter Radioaktivität, und die Luftfahrtbranche versucht, der vielen Abfallbehälter auf Flughäfen mit digitalen Systemen und Künstlicher Intelligenz (KI) Herr zu werden. Mit diesen und vielen anderen Beispiele aus der Praxis gab der 23. Schweizer Sonderabfalltag 2026 spannende Einblicke in aktuelle Herausforderungen und eröffnete Perspektiven für die Zukunft.

Diese Thematik zog rund 180 Fachpersonen aus der Sonderabfallwirtschaft nach Olten. Der Seminarraum des dortigen Hotels Arte füllte sich bis fast auf den letzten Platz. Hier bot der 23. Schweizer Sonderabfalltag ein vielseitiges Programm mit praxisnahen Referaten zu aktuellen Entwicklungen in der Branche.

Zum Auftakt der Tagung betonte Organisator Dieter Zaugg die Bedeutung der täglichen Arbeit der Branche: Angesichts einer Weltlage voller Unsicherheiten trage die Sonderabfallwirtschaft ihren Teil dazu bei, Sicherheit für Mensch und Umwelt zu gewährleisten.

Unterwasser- und luftnahe Aktivitäten

Einen besonderen Blickwinkel brachte Matthias Ardizzon vom Verein Abfalltaucher Schweiz ein. Mit Clean-up-Aktionen wurden im vergangenen Jahr rund 35 Tonnen Abfall aus Schweizer Gewässern entfernt. Neben Alltagsgegenständen finden sich dabei regelmässig Batterien, Elektrogeräte und andere problematische Stoffe wie z.B. Munition. Der Verein setzt deshalb neben den Bergungsaktionen verstärkt auf Sensibilisierung und Öffentlichkeitsarbeit.

Yves Binkert, Leiter Entsorgung der Flughafen Zürich AG, zeigte auf, wie komplex die Entsorgung an einem internationalen Flughafen ist. Rund acht Prozent der anfallenden Abfälle gelten als Sonderabfälle. Dank der Aufbereitung von Enteisungsflüssigkeiten konnten die Abfallmengen in den letzten Jahren deutlich reduziert werden. Digitale Systeme und KI-gestützte Tourenplanung helfen zudem bei der Optimierung der über 650 Abfallbehälter auf dem Flughafengelände.

Immer wieder radioaktive Abfälle

Raphaël Stroude vom Bundesamt für Gesundheit erläuterte die Herausforderungen bei der Sammlung und Entsorgung radioaktiver Abfälle. Seit der Einführung der Messpflicht für Kehrichtverbrennungsanlagen und Schrotthändler im Jahr 2020 werden in der Schweiz täglich mehrere Ereignisse registriert. Die Entsorgung radioaktiver Materialien erfolgt unter strengen Kontrollen über das Paul-Scherrer-Institut.

Das interessierte Auditorium meldet sich mit Rückfragen zur vielschichtigen Thematik des 23. Schweizer Sonderabfalltag 2026 zu Wort …

Gleich zwei Referate rückten Druckbehälter und Spraydosen in den Vordergrund. Ueli Maass von Swiss Recycling erinnerte daran, dass Druckbehälter nicht in die Altmetallsammlung gehören und der Fachhandel zur Rücknahme von Kleinmengen verpflichtet ist.

Ernst Winkler, Inhaber von Ernst Winkler Gefahrgutberatung, zeigte anhand praktischer Beispiele die Anforderungen an den sicheren Transport von Druckgasbehältern auf. Dabei betonte er besonders die Bedeutung des ADR-Regelwerks für Sicherheit und faire Wettbewerbsbedingungen, des europäischen Übereinkommens für den internationalen Transport gefährlicher Güter auf der Strasse (Accord européen relatif au transport international des marchandises Dangereuses par Route).

Schweizerischer Weg mit EU-Anbindung

Einen eigenen Weg geht die Schweiz bei der grenzüberschreitende Abfallverbringung, wie André Hauser vom Bundesamt für Umwelt in seinem Vortrag über die Auswirkungen der neuen EU-Abfallverbringungsverordnung erläuterte. Während innerhalb der EU künftig das elektronische System Diwass (Digital Waste Shipment System) verwendet werden muss, plant die Schweiz mit dem System Revia bis Ende 2028 eine eigene Lösung mit Anbindung an Diwass.

Besonders die Regelungen für Drittstaaten und die vorgesehenen Auditierungspflichten werfen derzeit noch zahlreiche Fragen auf. Auch bestehende Verträge mit Entsorgungsanlagen in Grenzregionen könnten dadurch unter Druck geraten.

Asche für die Zementindustrie

Die Situation der Sonderabfallverbrennung in Europa beleuchtete Mark Döing von der Ecoprog GmbH. Obwohl viele Länder weitgehend autark seien, würden erhebliche Mengen an gefährlichen Abfällen grenzüberschreitend transportiert. Die durchschnittlich 28 Jahre alten Anlagen stünden zudem vor einem erheblichen Modernisierungsbedarf.

Einen Einblick in die Herausforderungen der Holzaschenentsorgung gab Michael Tobler von Holz & Forst Consulting. Mit dem Ausbau der Holzenergie steigen auch die Mengen an Holzasche. Neben Schwermetallen wie Blei und Zink beschäftigt die Branche insbesondere die Frage nach langfristigen Entsorgungslösungen und möglichen Verwertungswegen, z.B. die Aufbereitung des Abfallstroms Asche und anschliessende Verwendung in der Zementindustrie.

Der nächste Schweizer Sonderabfalltag findet am 8. Juni 2027 statt.

… und freut sich auf eine Fortsetzung am 8. Juni 2027. (Bilder: zvg)

Ecoserve International AG
CH-5033 Buchs
info@ecoserve.ch
ecoserve.ch

Das könnte Sie auch interessieren:

Newsletter abonnieren