Offizielles Organ des Schweizerischen
Chemie- und Pharmaberufe Verbandes

Schweizer Labore sind Happiness-Europameister

Abb. 1: Schlussfolgerung beim Laborumfrage-Initiator Starlab: Der Wille zur Innovation ist da, doch die Budgets sind schwach, … (Grafik: Starlab)

«Noch nie war die Bereitschaft zur Veränderung in Europas Laboren so ausgeprägt – und noch nie wurden Labormitarbeitende so stark ausgebremst», zu dieser Einschätzung kommen die Experten von Starlab International, einer Unternehmensgruppe mit Schwerpunkt «Liquid-Handling-Laborprodukte», auf der Grundlage einer aktuellen Befragung von 368 Kunden aus Deutschland, dem Vereinigten Königreich, aus der Schweiz (32 Umfrage-Teilnehmer), Italien, Frankreich und Österreich. Dabei sticht die Schweiz in mehrfacher Hinsicht heraus.

So wird die wirtschaftliche Wetterlage in Europas Laboren als wechselhaft wahrgenommen, wobei die Tendenz in allen Ländern eher negativ ist – ausser in der Schweiz. Sie stellte das einzige Land ohne eine «sehr negative» Bewertung des ökonomischen Ausblicks dar. 31 % bewerten die Aussichten als «eher positiv» (EU-Schnitt: 17 %). Auch setzen nur 34 % der Schweizer Labore Sparmassnahmen um (EU: 57 %). Gleichzeitig wird ein Anstieg des Materialbedarfs um bis zu 25 % erwartet (EU: 19 %).

Wissenschaft schlägt Teamarbeit

Das von den Zahlen gezeichnete Bild schlägt auch auf die Emotionen durch: 77 % der Schweizer beschreiben sich als «eher glücklich» oder «glücklich» im Job (EU: 63 %). Als stärksten Motivator nennen 39 % der Schweizer wissenschaftliche Entdeckungen (EU: 31 %), während der Teamarbeit mit 16 % ein vergleichsweise geringer Stellenwert zugesprochen wird (EU: 32 %). Dabei sind Generationenkonflikte in Schweizer Laboren kein Thema (sagen 65 %, EU: 50 %).

Interdisziplinäres Denken gilt in der Schweiz als wichtigster Zukunfts-Skill (71 % vs. EU: 61 %). Da überrascht es nicht, dass digitale Lösungen und Künstliche Intelligenz (KI) stärker genutzt werden (46 %/61 %) als im Rest Europas (33 %/50 %).

Nachhaltigkeit gilt dagegen als nachrangiges Thema. So haben nur 59 % der Schweizer Labore Recycling implementiert (EU: 78 %). Dabei ist der Umweltschutz ein mit Abstand stärkerer Motivator als Kostenersparnis (43 % : 30 %), während diese EU-weit etwas stärker im Vordergrund steht (42 % : 36 %).

Finanzierung wird grösste Herausforderung

Mit Blick auf ganz Europa zeigt das Stimmungsbarometer unter dem Titel «Ready to unlock: Was Europas Labore lähmt, welche Hebel Wirkung entfalten», wie eine wachsende Innovationsbereitschaft auf strukturelle Blockaden, Finanzierungsprobleme und Stress trifft.

Im Jahre 2026 steht erstmals «fehlendes Budget» an der Spitze der grössten Herausforderungen: 44 Prozent der Befragten nennen fehlende Finanzierung als ihr Top-Problem. Im Vorjahr dominierten steigende Preise beim Verbrauchsmaterial (42 %) die Sorgen der Branche. Heute ist es der grundsätzliche Mangel an finanziellen Mitteln.

… und so manche Sparmassnahme im Labor setzt an der falschen Stelle an. (Grafik: Starlab)

«Das Problem scheint weniger konjunktureller als struktureller Natur. Das ist ein Warnsignal», sagt Benedikt Geldmacher-Voss, Head of Starlab Group.

Doch lassen sich nicht durch Sparprogramme die Budgets für Zukunftsinvestitionen generieren?

Gespart wird an den falschen Stellen

57 Prozent der Labore haben aktive Sparmassnahmen eingeleitet – ein leichter Rückgang gegenüber 64 Prozent im Vorjahr. 74 Prozent kürzen bei Geräten und Infrastruktur. Auch das Personal trifft es: 54 Prozent stoppen Neueinstellungen. 22 Prozent streichen zuerst bei Weiterbildung und Konferenzen.

Für Benedikt Geldmacher-Voss werden hier an den falschen Stellen Budgets heruntergefahren. «Wer bei Zukunftsinvestitionen spart, spart an seinem eigenen Fundament», betont er.

Die Zufriedenheit der Labormitarbeiter ist im Vergleich zum Vorjahr spürbar gesunken: Waren 2025 noch 76 Prozent glücklich mit ihrer Arbeit, sind es heute nur noch 63 Prozent. Jede dritte befragte Person berichtet zudem von einem hohen oder sehr hohen Stressniveau.

Bereitschaft zum Wandel grösser denn je

Nachhaltigkeit rückt in seiner Bedeutung bei vielen nach vorn: 78 Prozent der Labore haben bereits Recycling-Programme implementiert, 67 Prozent setzen auf Sammelbestellungen zur Ressourcenschonung, 58 Prozent nutzen Mehrwegsysteme. 64 Prozent würden recycelte Materialien einsetzen, wenn die Qualität stimmt. Rund vier Fünftel der Befragten sind durch Umweltschutzgedanken und/oder aus Kostengesichtspunkten motiviert, sich im eigenen Betrieb für ein nachhaltiges Wirtschaften einzusetzen.

Neben der Nachhaltigkeit stellen Digitalisierung und KI zwei weitere Felder dar, die gemeinhin als besonders zunkunftsgerichtet gelten. Die Umfrage ergab: 46 Prozent nutzen KI bereits gelegentlich, 13 Prozent sogar regelmässig. Nur 15 Prozent macht KI Angst vor Jobverlust.

Bei der Frage nach den wichtigsten Zukunftskompetenzen liegt allerdings interdisziplinäres Denken mit 61 Prozent an erster Stelle – vor digitalen Kompetenzen (54 %) und Soft Skills (47 %). Fast zwei Drittel (64 %) der Befragten bewerten soziale Kompetenzen als gleichwertig oder wichtiger als fachliches Know-how. Am höchsten lag dieser Wert in Deutschland (74 %).

Umfrage mit Tradition

Das jährliche Stimmungsbild der europäischen Laborbranche erhebt Starlab schon seit 2021. Diesmal wurden die Teilnehmer über mehrere Kanäle erreicht: den Starlab-Newsletter, Linkedin und die Unternehmenswebsite. Die Mehrheit der Befragten (5 %) arbeitet als Labormanager oder Labortechniker. Hinzu kamen Master-, PhD- und Post-Doc-Studenten (8 %), Einkäufer (8 %), Forscher und Medizinforscher (7 %), Professoren und Projektleiter (4 %) sowie Labordirektoren (2 %). 13 Prozent sind in sonstigen Laborbereichen tätig.

Starlab Schweiz AG
CH-8910 Affoltern am Albis
info@starlab.ch
www.starlab.ch

Das könnte Sie auch interessieren:

Newsletter abonnieren