Offizielles Organ des Schweizerischen
Chemie- und Pharmaberufe Verbandes

Die Achema 2022 setzt neue Massstäbe

An der Eröffnung der Achema stellten sich Persönlichkeiten aus der Industrie den Fragen des Publikums: Martin Brudermüller, Vorsitzender der Cefic und CEO der BASF SE, Martijn Smit, Business Development Director von Nothern Lights, Ernst Rauch, Chief Climate und Geowissenschaftler bei Munich Re sowie Trosten Wintergerste, Präsident von Sulzer Chemtech. (Bild: Roger Bieri)

Während einer ganzen Arbeitswoche konnten sich Fachpersonen aus der Prozessindustrie auf der internationalen Fachmesse auf dem Laufenden halten: innovative Produkte bestaunen, Kontakte knüpfen oder das Fachwissen vertiefen und Neues dazulernen. Eigentlich hätte die Achema im Sommer 2021 stattfinden sollen. Jetzt ist es August 2022 geworden. Die Messe verändert sich, aber sie ist darauf vorbereitet.

Es ist kein Geheimnis. Jede Fachmesse, so auch die Achema, kommt anders daher, als es sich manch ein Aussteller oder Besucher gewohnt ist. Normalerweise zählt die Leitmesse rund 4000 Aussteller. Dieses Mal haben sich etwa 2200 aus 51 Ländern angemeldet. Insgesamt nahmen laut der Veranstalterin über 70 000 Personen an der Veranstaltung teil. Zum Vergleich: Auf der vergangenen Messe zählte die Organisatorin Dechema noch rund 145 000 Besucherinnen und Besucher.

Die Gründe hierfür sind multifaktoriell. Die Corona-Massnahmen in bestimmten Ländern (z. B. China), die Tatsache, dass die Messe während der Ferienzeit stattfand und die generelle Entwicklung aufgrund der Digitalisierung sind sicherlich wesentliche Faktoren, die das Erscheinungsbild der Veranstaltung prägten.

Beliebte Fachvorträge und eine clevere App

Die Veranstalterin schaut dieser Entwicklung nicht tatenlos zu. Im Gegenteil – sie passt ihr Angebot entsprechend an. So hat sie den Kongress zum ersten Mal vollständig ins Messegeschehen integriert. Die Vorträge fanden in den Ausstellungshallen selbst oder ganz in ihrer Nähe statt.

Der Kongress erfreut sich grosser Beliebtheit. Ein interessiertes Fachpublikum während eines Vortrags im Saal Europa in unmittelbarer Nähe zu den Ausstellungshallen. (Bild: Roger Bieri)

Auch hat die Messe eine neue App lanciert. Die Achema-App oder «Achema 2022». Sie soll die Besucherin oder den Besucher dabei unterstützen, sich im Messegetümmel zurechtzufinden. Und das tut sie auch. Die App ist übersichtlich und benutzerfreundlich gestaltet. User Experience wurde bei der Entwicklung dieses digitalen Hilfsmittels definitiv gross geschrieben.

Die Applikation verfügt nur über Funktionen, die man wirklich braucht: einen digitalen Messeplan, eine Ausstellerliste, ein Kongressprogramm, eine Matchmaking-Funktion und einen «Was läuft gerade»-Button, der immer wieder aktualisiert wird. Die Anwenderfreundlichkeit offenbart sich, wenn man erkennt, welche Möglichkeiten hinter diesen Funktionen stecken. Sitzt man beispielsweise in einem interessanten Vortrag, kann man via Kongressprogramm oder den «Was läuft gerade»-Button nicht nur mehr Infos zur konkreten Veranstaltung raussuchen, man kann diese auch für seine eigenen Zwecke bearbeiten: Fotos und Notizen erfassen, seinen Standort angeben oder wenn der Vortrag erst ansteht, kann er in den Kalender hinzugefügt werden. Dabei werden die Infos sinnvoll zusammengebündelt und können so z. B. per Mail übersichtlich weitergeleitet werden.

Die Besucher sind aber nach wie vor nicht auf die App angewiesen. Sie können die App in diesem Masse gebrauchen, wie es für sie persönlich sinnvoll erscheint.

Von Pumpen über Glaswaren bis zum digitalen Zwilling

Die unzähligen Hallen waren wie gewohnt nach den unterschiedlichen Produkten und ihren Anwendungsbereichen gegliedert. Die Fachpersonen für Pumpen und Kompressoren stellten in einer anderen Halle aus als die Spezialisten für thermische Verfahren.

Ein Schwerpunktthema der Messe war definitiv die Digitalisierung. Die Dechema organisierte hierfür neu die Ausstellungsgruppe «Digital Hub». Hier konnten sich Fachpersonen rund um die Digitalisierung der Prozessindustrie austauschen und ihre Produkte und Ideen einem interessierten Publikum präsentieren. Generell – auch in den anderen Hallen – drückte die Digitalisierung immer wieder durch. Am offensichtlichsten in Form von Virtual-Reality-Brillen, die überall plötzlich zum Vorschein kamen.

Eine Virtual-Reality-Brille im Einsatz am Stand von Gemü. (Bild: Roger Bieri)

Gelingt eine klimaneutrale chemische Industrie?

Der Fokus der diesjährigen Achema lag aber definitiv auf der Klimaproblematik. Der Technologiekonzern GEA und Spezialist für Prozesstechnik widmete sich an seinem Stand der Kreislaufwirtschaft – genauer der Batterie. Folglich präsentierte sich das Unternehmen als «Komplettanbieter für alle wichtigen Lithium-Prozessschritte». Das Portfolio startet bei der Mine bis zum getrockneten Batteriepulver und darüber hinaus.

Diverse Mineralien am Stand von GEA. (Bild: Roger Bieri)

Die Eröffnungsveranstaltung der Achema drehte sich um die zentrale Frage, wie eine klimaneutrale chemische Industrie gelingen kann. Vier namhafte Persönlichkeiten aus der Industrie stellten sich den Fragen des Fachpublikums und der anwesenden Journalisten. Mit dabei waren Martin Brudermüller, Vorsitzender der Cefic und CEO der BASF SE, Martijn Smit, Business Development Director von Nothern Lights, Ernst Rauch, Chief Climate und Geowissenschaftler bei Munich Re und Trosten Wintergerste, Präsident von Sulzer Chemtech.

Laut den Industrievertretern gebe es im Wesentlichen zwei Hauptgründe, weshalb die Chemie noch nicht so weit sei, klimaneutral zu produzieren. Einerseits stünden die neuen klimaneutralen Produkte in Konkurrenz zu den eigenen günstigeren konventionellen Erzeugnissen. Hierzu meint BASF-CEO Brudermüller: «Die Produkte werden teurer. Wenn der Konsument Verantwortung zeigt, wird er dennoch die teureren Produkte kaufen.» Andererseits spiele aber auch die Wettbewerbsfähigkeit generell eine entscheidende Rolle, die die EU-Politik in Brüssel in ihren Lösungsansätzen immer wieder ignoriert habe.

Diskussionsbedarf nimmt rasant zu

Die chemische Industrie steht an einem Scheitelpunkt. Die Klimaproblematik schreit nach einer solchen Dringlichkeit, dass immer mehr Fachpersonen sich dieser Herausforderung stellen. Vorträge über neue Ansätze in der CO2-neutralen Produktion wurden rege besucht. Die Dechema spricht von gesamthaft 20 000 Besucherinnen und Besuchern am Kongress. «Das Feedback der Kongressbesucher ist positiv», wird der Geschäftsführer der Dechema Dr. Andreas Förster in der Pressemitteilung zum Abschluss der Messe zitiert. «Wir werden das Konzept mit Blick auf die nächste Achema ausbauen.» Diese wird dann wieder regulär vom 10. bis 14. Juni 2024 in Frankfurt am Main stattfinden.

Roger Bieri

Impressionen zur Achema 2022

Die Messe in Frankfurt ist die zweitgrösste Deutschlands. Nur Hannover ist imposanter. (Bild: Roger Bieri)
Der markante Messeturm in Frankfurt ist über 250 Meter hoch. (Bild: Roger Bieri)
Moderne wie auch historische Gebäude zieren das Messegelände. (Bild: Roger Bieri)
In den Fluren zwischen den Hallen verbergen sich überraschende Details. Wie hier ein Ausschnitt aus einer Modelllandschaft in einem Schaukasten. (Bild:Roger Bieri)

Am Eingang «City». (Bild: Roger Bieri)
Die ersten Besucherinnen und Besucher schnappen sich einen Bändel für ihr Ticket. (Bild: Roger Bieri)
Farbenfrohe Silikondeckel für Bechergläser und andere Glaswaren im Labor. (Bild: Roger Bieri)
Die Ausstellungsgruppe «Thermische Verfahren» verteilte sich auf zwei grosse Hallen. (Bild: Roger Bieri)
Wasserstoff. Das wohl am meisten diskutierte Element in der Gegenwart. (Bild: Roger Bieri)
Die Veranstalterin der Achema ist die Dechema, die Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie. (Bild: Roger Bieri)
Die Stimmung war ausgelassen. (Bild: Roger Bieri)
Unkomplizierte Sitzgelegenheiten. (Bild: Roger Bieri)
Diese Verbindungen sind bei den neuen Power-to-X-Verfahren hoch im Kurs. (Bild: Roger Bieri)
Solche Fahrsteige verbinden die Hallen miteinander. Alternativ befördern die Besucherinnen und Besucher auch Busse auf dem Messegelände zur nächsten Halle. (Bild: Roger Bieri)
Hier gab sich die Veranstalterin kreativ: Wo die Hallen nicht mehr ganz mit Ausstellern besetzt werden konnten, präsentierten sich an manchen Stellen Gemälde. Wer wollte, konnte sogar eines erwerben. (Bild: Roger Bieri)
Anschaulich: Bei welchen Temperaturen das Medium wo hindurchströmt, zeigen die Farben. (Bild: Roger Bieri)
Auch Fragen zum Thema Sicherheit wurden auf der Achema behandelt. (Bild: Roger Bieri)
Ein Exoskelett für die Arbeitswelt: Schnell in die Sitzposition und schon sitzt man sicher und ergonomisch. (Bild: Roger Bieri)
70 000 Personen aus 127 Nationen nahmen an der Fachmesse teil. (Bild: Roger Bieri) 
Solche kleinen Läden gibt es überall auf dem Messegelände. (Bild: Roger Bieri)
Links der internationale Fachpressestand. Auch die ChemieXtra lag auf. (Bild: Roger Bieri)
Mitten in der Messehalle 6.0 organisierte die Veranstalterin zusammen mit Ernst & Young den «EY Innovation Stage». Hier wurden Themen wie Power-to-X-Verfahren, Kreislaufwirtschaft und Produktionsmöglichkeiten ohne fossile Brennstoffe vorgestellt und diskutiert. (Bild: Roger Bieri)
Frankfurt am Main liegt in Hessen und das künstliche Element Hassium ist nach diesem Bundesland benannt. (Bild: Roger Bieri)
Spontane Vorträge im Miniformat. (Bild: Roger Bieri)
Sitzgelegenheiten im Freien. (Bild: Roger Bieri)
Apparaturen der Büchi AG. (Bild: Roger Bieri)
Eisige Temperaturen am Stand von Julabo. (Bild: Roger Bieri)
Ein Café in Halle 8.0. Hier wurden vor allem Pumpen, Kompressoren und Armaturen ausgestellt. (Bild: Roger Bieri)
Ein Kugelhahn von Böhmer für anspruchsvollste Aufgaben. (Bild: Roger Bieri)
Im Vordergrund liegt die Halle 3, im Hintergrund sind die Hochhäuser der Stadt zu sehen. (Bild: Roger Bieri)
Eine Burg in einem Glaskasten. (Bild: Roger Bieri)
Das Herzstück der Chemie: das aktuelle Periodensystem der Elemente. (Bild: Roger Bieri)
Die Gänge waren wie schon bei der Fachmesse Analytica breiter angelegt als früher. (Bild: Roger Bieri)
Eingangshalle «City». (Bild: Roger Bieri)
Ein «sicheres Scale-up». (Bild: Roger Bieri)
Hier ragt das «Torhaus» in die Höhe. (Bild: Roger Bieri)

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