In Arosa hat Erwin Schrödinger den Grundstein zur Quantenphysik und Quantenchemie gelegt und damit Wissenschaft und Gesellschaft revolutioniert. Der Ort wurde nun als historische Stätte der Chemie ausgezeichnet.
Über Weihnachten 1925 verbrachte Erwin Schrödinger seine Ferien in Arosa. Statt seiner Passion für das Skifahren nachzugehen, habe sich der Physikprofessor der Universität Zürich «von einer schönen Theorie ablenken lassen», wie er gesagt haben soll. Eine Ablenkung, welche die Welt verändert hat: Er entwickelte die sogenannte Schrödinger-Gleichung.
Am 27. Januar 1926 reichte Schrödinger bei der Fachzeitschrift «Annalen der Physik» seine Publikation mit dem Titel «Quantisierung als Eigenwertproblem» ein. Sie gilt heute als eine der 10 wichtigsten Publikationen der Physik. Drei weitere Artikel folgten. Darin präsentierte er seine Überlegungen zur Wellenmechanik und stellte seine Gleichung vor. Sie beschreibt das Wellenverhalten von Elektronen und macht berechenbar, wie sie sich in Atomen und Molekülen verteilen.
Ohne Quantentheorie keine Computer
Was unspektakulär tönt, hat Wissenschaft und Gesellschaft revolutioniert. Die Gleichung bildet das mathematische Fundament der Quantenphysik und -chemie. Sie erklärt, wie Atome und Moleküle aufgebaut sind und miteinander reagieren. Ohne sie könnten wir viele chemische Phänomene nicht verstehen und berechnen. Ohne sie gäbe es die heutigen Transistor-Computer nicht, keine Solarzellen, kein GPS und keine Smartphones. Diese Technologien basieren auf chemischen Eigenschaften und Reaktionen.
Unabhängig von Schrödinger und zur gleichen Zeit, wie dieser an seiner Gleichung tüftelte, entwickelte der deutsche Physiker Werner Heisenberg die sogenannte Matrixmechanik. Wie sich rasch zeigte, sind beide Formulierungen mathematisch äquivalent. In der Chemie hat sich Schrödingers Ansatz durchgesetzt. 1933 erhielt er für seine Arbeit den Nobelpreis.
Um diese wissenschaftliche Leistung und deren gesellschaftliche Bedeutung zu ehren, hat die Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) Arosa jetzt ein Chemical Landmark verliehen. Die Gedenktafel wurde am Haus «Panarosa» an der Sonnenbergstrasse 14, wo Schrödinger seine folgenreichen Weihnachtsferien verbrachte, feierlich eingeweiht.