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Sicherheitsprobleme im Umgang mit Nanoabfällen

(Bild: Pixabay)

Nanoabfälle stellen weltweit ein wachsendes Sicherheitsproblem dar, das einen umweltverträglichen Umgang und noch zu schaffende Regulierungen erfordert. Forschende der Universität Freiburg zeigen die Lücken auf und schlagen erste Lösungsansätze vor.

Zu Nanoabfällen gehören Produktionsabfälle, ausgediente nanotechnologische Produkte sowie Abfälle, die (unbeabsichtigt) mit künstlichen Nanomaterialien verunreinigt sind. Schätzungen zufolge landen weltweit mehr als 60 Prozent der produzierten Nanomaterialien auf der Deponie – das sind bis zu 300 000 Tonnen pro Jahr, Nanoplastik nicht mitgerechnet. Obwohl es derzeit keine globalen Definitionen oder Klassifizierungen für Nanomaterialien oder Nanoabfälle gibt, müssen greifbare Lösungen für Risikobewertung, Kategorisierung, Kennzeichnung, Sammlung, Lagerung, Transport, Recycling und Entsorgung gefunden werden.

In einem Kommentar in der Fachzeitschrift «Nature Nanotechnology» sprechen sich Forschende der Bionanomaterials Group des Adolphe Merkle Instituts, der Universität Freiburg und der ETH Lausanne für eine Sensibilisierung mit der Thematik aus. Dazu gehöre auch die Notwendigkeit, technisch und rechtlich verbindliche Richtlinien für Nanoabfälle auszuarbeiten, die sich strikt am Vorsorgeprinzip orientieren. Diese Richtlinien sollten auf den neuesten Erkenntnissen über das Verhalten von Nanomaterialien und eine flexible Definition derselben gründen.

Pragmatismus vor Einführung neuer Gesetze

Die Entwicklung erster Richtlinien erfordert spezifische Risikobewertungen der jeweils anfallenden Nanoabfälle, ein detailliertes Verständnis der nationalen und internationalen Vorschriften für gefährliche Abfälle und Materialien. Um einfach umsetzbare Verfahren zur Sammlung, Lagerung und Beseitigung der Nanoabfälle zu finden, soll auch mit dem Laborpersonal zusammengearbeitet werden.

Wie die Forscher betonen, wurde am Adolphe Merkle Institut in Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbeauftragten der Universität Freiburg bereits eine Reihe von Massnahmen umgesetzt. Dazu gehören die ordnungsgemässe Kennzeichnung und Lagerung gemäss der nationalen und internationalen Gefahrstoffgesetzgebung, da derzeit keine spezifischen Vorschriften für Nanoabfälle existieren. Die Wissenschafter haben zudem detaillierte Richtlinien für die fachgerechte Entsorgung von Nanoabfällen erstellt.

Bewusstsein muss geschärft werden

Für Forschungslabore sind solche Richtlinien aufgrund der hohen Komplexität der erzeugten Abfälle, der Vielfalt an ungeprüften Materialien und der grossen Anzahl verschiedener Labornutzer besonders wichtig, so die Autorenschaft. In Zukunft könnten eindeutigere Regeln für Nanoabfälle, wie zum Beispiel spezifische Piktogramme, auch dazu beitragen, den Umgang mit Nanoabfällen in der Industrie zu harmonisieren, die falsche Einstufung gefährlicher Stoffe in nicht gefährliche Kategorien zu verhindern und die unbeabsichtigte Belastung von Mensch und Umwelt durch gefährliche Nanomaterialien zu vermeiden.

Die im Artikel vorgestellten Empfehlungen richten sich an Forschende und politische Entscheidungsträger in Wissenschaft und Industrie. Zum Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt empfiehlt die Autorenschaft, das Bewusstsein für den Umgang mit Nanoabfällen zu schärfen und entsprechende Massnahmen zu ergreifen sowie die Handhabung von Nanoabfällen ausdrücklich in multinationale Abkommen aufzunehmen. Ausserdem warnen sie die politischen Entscheidungsträger davor, mit zweierlei Mass zu messen, da dies den Ersatz gefährlicherer konventioneller Chemikalien durch neue, weniger schädliche und besser abbaubare Nanomaterialien behindern würde.

www.unifr.ch

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