Offizielles Organ des Schweizerischen
Chemie- und Pharmaberufe Verbandes

Waschen ohne Wasser- und Stromanschluss?

Waschraum mit Waschmaschine und Reinigungstechnik. (Bild: ZHAW)

Eine Kreislaufwaschmaschine, die ganz ohne Wasser- und Stromanschluss auskommt und ein Trocken-WC ohne Spülung, das auch noch Dünger liefert. Dies sind nur zwei Anwendungen, die im Rahmen der Ökotechnologie-Forschung an der ZHAW entwickelt wurden. Wie das im Alltag funktioniert, zeigt ein Demowagen auf dem Campus-Gelände in Wädenswil.

Ernteausfälle, wie auch vergangene heisse Sommer haben es gezeigt: Wassermangel wird aufgrund des Klimawandels auch in der Schweiz zunehmend ein Thema. Noch fliessen bei uns die Abwässer meist gemischt aus Haushalten, Toiletten und der Industrie in die Abwasserreinigung. Dort werden sie in verschiedenen Stufen aufwendig gereinigt. Die entstandene Schlacke, die neben wertvollen Nährstoffen auch giftige Stoffe enthält, muss zum Schluss ebenso aufwendig entsorgt werden. Anders im ZHAW-Waschsalon im Versuchswagen Mobiles Ökotechnologie-Demo-Objekt (Modo): In diesem Prototyp wird das Wasser getrennt gereinigt. Nach dem Waschgang wird das Wasser in einem ökologischen Reinigungsverfahren filtriert, biologisch gereinigt und dann direkt für die nächste Wäsche wiederverwendet. Wasserverluste durch die entnommenen feuchten Kleider und den Reinigungsprozess werden durch Regenwasser aufgefüllt. Den benötigten Strom für die Pumpen der Waschmaschine liefert eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Mit diesem Konzept konnte eine von der zentralen Wasser- und Stromversorgung völlig unabhängige Kreislaufwaschmaschine entwickelt werden.

Der Demowagen Modo von aussen. (Bild: ZHAW)

Mit getrennter Aufbereitung von Urin und Fäkalien

Nach dem Kreislauf-Prinzip funktioniert auch die im Versuchswagen integrierte Trockentrenntoilette: Dabei werden Urin und Fäkalien separat gesammelt. Der Urin gelangt direkt in einen Tank unter dem Wagen. Er kann später aufbereitet und als Dünger verwendet werden. Die Fäkalien werden mit einem mittels Fusspedal betriebenen Förderband in einen abgetrennten Raum befördert. Da die Fäkalien im Luftstrom sehr rasch trocknen, hält sich die Geruchsbelästigung in Grenzen. Daraus wird später sogenannte Biokohle zur Verbesserung der Bodenqualität hergestellt. Besonders dieser letzte Schritt interessiert die Forschenden der ZHAW. Sie möchten diese wertvollen Nährstoffe wirksam und sicher als Dünger einsetzten. Die Hände wäscht man sich mit dem gereinigten Wasser aus der Waschmaschine. Auch dieses Abwasser wird wieder aufbereitet.

Toilettenraum mit Trockentoilette, Pissoir und Lavabo. (Bild: ZHAW)

Projekt in Südafrika

Das Konzept des vollständig unabhängigen Waschsalons wird im Rahmen des Projekts «Laundrecycle» bereits in Südafrika zu einer marktfähigen Lösung weiterentwickelt. «Dort ist Wassermangel ein grosses Problem. Und viele Menschen haben keinen Zugang zu einer Waschmaschine, auch infolge ungenügender Wasser- und Stromversorgung», erklärt Projektleiterin Devi Bühler. «Das Pilotprojekt in Kapstadt soll einerseits den Zugang zu Waschmöglichkeiten ermöglichen und andererseits einen nachhaltigen Umgang mit Wasser- und Energieressourcen fördern.»

Bevölkerung wird Teil des Forschungsprojekts

Um das Kreislaufprinzip in der ökotechnologischen Forschung für die Öffentlichkeit erlebbar zu machen und Erkenntnisse über die Alltagstauglichkeit zu gewinnen, lancierte das Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen der ZHAW regelmässige öffentliche Waschtage auf dem ZHAW-Campus Grüental in Wädenswil.

www.zhaw.ch

Das könnte Sie auch interessieren:

Newsletter abonnieren